|
6. Juli 2005:
In den Fangarmen des Oppenheim-Esch-Immobilienfonds
Allein die Bilder sprachen Bände: Fritz Schramma, Alfred Neven
DuMont, Josef Esch, Mathias Graf von Krockow und andere Personen der Kölner
High-Society in trauter Eintracht am Sektglas nippend und sich auf
Cosa-Nostra-Art mit innigen Umarmungen begrüßend, während man einen neuen Coup
des Oppenheim-Esch-Immobilienfonds feierte. Die WDR-Reportage
„Milliarden-Monopoly“ traf direkt ins Herz des Kölner Klüngel-Sumpfes und deckte
zahlreiche Ungereimtheiten und Manipulationen rund um den millionenschweren
Oppenheim-Esch-Fonds auf.
An
vorderster Front mit dabei: Oberbürgermeister Fritz Schramma, quasi
stellvertretend für die Verstrickungen der Kölner Kommunalpolitik in die
dubiosen Geschäfte des besagten Immobilienfonds. Sage und schreibe sieben
Interview-Anfragen des WDR lehnte der sonst so medienpräsente Oberbürgermeister
zu dem heiklen Thema ab. Stattdessen schickte er seinen Baudezernenten Bernd
Streitberger vor, der erst nach den umstrittenen Immobilien-Entscheidungen der
Stadt Köln sein Amt angetreten hatte.
Die
wichtigsten Weichenstellungen für die Kölnarena, das Technische Rathaus in Deutz
und die Kölner Messe fielen nämlich alle schon vor 2004. Und die WDR-Recherchen
zeigten, daß die Stadt stets für großzügige Lösungen zu Gunsten des
Oppenheim-Esch-Immobilienfonds sorgte. Den Investoren wurden satte Gewinne
ermöglicht – auf Kosten der Kölner Bürger!
Die Masche
war dabei stets die gleiche: Der Oppenheim-Esch-Fonds finanziert die Projekte
vor, die Stadt Köln kommt direkt oder indirekt für die horrenden Mieten auf, die
bis in die nächste Generation hinein zu zahlen sind. Im Fall der Kölnarena und
des Technischen Rathauses muß die Stadt insgesamt über 400 Millionen bezahlen,
obwohl Köln bei einer Eigenfinanzierung mit Hilfe billiger Kommunalkredite
wesentlich günstiger gefahren wäre.
Zusätzlich
blähen die Investoren die Rechnung mit sogenannten „Soft-Kosten“ auf: Beim Bau
der Kölnarena samt Technischen Rathaus machen diese rund 200 Millionen Euro bei
einer Gesamtsumme von 561 Millionen Euro aus. Darunter Posten wie 20 Millionen
Euro für „Mietervermittlung“, wobei ja von vorneherein die Stadt Köln als Mieter
feststand. Die meisten dieser Soft-Kosten kassieren laut Medienberichten diverse
dem Oppenheim-Esch-Fonds nahestehende Firmen ...
Ähnlich
dubios soll es bei der Kölnmesse zugegangen sein: Bei einem Gesamtvolumen von
rund 260 Millionen wurden anscheinend nur ungefähr 140 Millionen wirklich
verbaut. Die Verwendung der restlichen Gelder, die schlußendlich die Kölner
Steuerzahler aufbringen müssen, bleibt unklar.
Das
Skandalöse an diesen Methoden ist vor allem die Rolle der Kölner
Kommunalpolitik. Denn die politische Führung sollte normalerweise als Sachwalter
der Interessen der Stadt Köln und der Kölner Bürger agieren. Aber dies scheint
in den letzten Jahren nicht der Fall gewesen zu sein. Besonders negativ
hervorgetan hat sich dabei der ehemalige Oberstadtdirektor Lothar Ruschmeier
(SPD). Er war hauptverantwortlich für den Deal mit der Kölnarena und dem
Technischen Rathaus. Nach seinem Ausscheiden aus dem öffentlichen Dienst
wechselte Ruschmeier flugs in die Privatwirtschaft – und zwar als hochbezahlter
Manager zu einer Oppenheim-Esch-Gesellschaft!
Dieses
wirklich unerträgliche Verhalten wird in den Kölner DuMont-Medien -
„Stadt-Anzeiger“, „Rundschau“, „Express“ und Co. - aber kaum thematisiert. Warum
wohl?
Könnte ein
Zusammenhang bestehen mit der Rolle von Alfred Neven DuMont als einer der
exklusiven Kommanditisten des Oppenheim-Esch-Immobilienfonds? Ein Schelm, wer
böses dabei denkt!
Die mafiösen
Strukturen in Köln waren jedenfalls Anlaß für den WDR, eine Sendung ihrer
renommierten Reportage-Reihe „die story“ diesen Machenschaften zu widmen.
Zusätzlich zum WDR berichtete nur noch die zum Springer-Verlag gehörende „Bild
Köln“ von diesem Skandal. Wenn es also nicht wenigstens diese beiden
überregionalen Spieler in der Kölner Medienlandschaft geben würde, würden die
Kölner Bürger vollends im Dunkeln gelassen. Aber Aufklärung tut not, um die
Mauer des Schweigens zu durchbrechen und diese unerträglichen Verhältnisse zu
verändern!
Die
Bürgerbewegung pro Köln wird in ihren Veröffentlichungen und in ihrer Ratsarbeit
ebenfalls einen Beitrag zur Beendigung dieser Zustände leisten. In diesem
Zusammenhang verbreitet pro Köln auch schon seit einiger Zeit ein Flugblatt über
die unrühmliche Rolle des DuMont-Medienkonzerns. Und am Tag der Ausstrahlung der
WDR-Reportage beantragte die Fraktion pro Köln eine aktuelle Stunde zu besagten
Thema in der heutigen Ratssitzung. Grund genug für CDU und SPD, um am Vorabend
der Ratssitzung in letzter Minute eine eigene aktuelle Stunde zu beantragen, mit
dem offensichtlichen Ziel, nur ja nicht über ihre Verstrickungen in den
kritisierten Immobilienskandal diskutieren zu müssen!
Dessen
ungeachtet geht der Kampf für eine saubere und korruptionsfreie Kommunalpolitik
natürlich weiter. Denn Köln darf nicht Palermo werden!
|