CDU-Fraktion auf der Flucht
Die Ratssitzung am vergangenen Donnerstag
wurde von der Abstimmung über den Bau der DITIB-Großmoschee in Ehrenfeld
dominiert. Aber auch andere interessante Themen standen auf der
Tagesordnung. Bemerkenswert war die Schwäche der CDU-Ratsfraktion, die in vielen
wichtigen Sachfragen vor pro Köln regelrecht in die Knie gegangen ist.
Zunächst hatte die CDU die Durchführung einer
Aktuellen Stunde zum Thema „Anti-Islam-Kongress der Bürgerbewegung pro Köln am
20. September 2008“ beantragt. Gerne hätten die pro-Köln-Ratsmitglieder ihren
christdemokratischen Kolleginnen und Kollegen den Unterscheid zwischen einem
Anti-Islam-Kongreß und einem Anti-Islamisierungs-Kongreß erklärt. Aber die
CDU-Fraktionsführung um Winrich Granitzka bekam im letzten Moment Angst vor der
eigenen Courage und zog den Antrag zurück. Feiglinge! Diese Debatte hätten wir
nur zu gerne geführt!
Die pro-Köln-Anträge wurden
selbstverständlich wieder ausnahmslos abgelehnt. Das galt sogar für den Antrag,
der PKK bzw. PKK-nahen Organisationen künftig nicht mehr das Südstadion zu
überlassen, wie in 2007 und in 2008 geschehen. Die PKK ist in Deutschland
ausdrücklich eine verbotene Organisation, außenpolitisch bereiten ihre
militärischen Auseinandersetzungen mit dem türkischen Militär zahllose
Schwierigkeiten – in Köln aber werden ihre Anhänger auch künftig in einem
städtischen Fußballstadion öffentlich aufmarschieren können.
Noch skandalöser ist die Ablehnung einer
Resolution gegen Gewalt als Mittel politischer Auseinandersetzungen. Die
Mehrheitsfraktionen im Rat waren im Rahmen dessen ausdrücklich nicht bereit, den
Angriff auf die Büroräume der Fraktion pro Köln im August, bei dem zwei
Fensterscheiben eingeworfen wurden und das im städtischen Eigentum stehende Haus
mit Farbbeutel verunstaltet wurde, zu verurteilen. Man stelle sich einmal
umgekehrt vor, im Rat wäre eine Resolution beispielsweise gegen eine bestimmte
fremdenfeindliche Gewalttat zur Abstimmung gestellt worden und pro Köln hätte
die Zustimmung verweigert – nicht auszudenken, wie da auf die Bürgerbewegung
geschimpft worden wäre! Den Medien war dagegen das skandalöse Abstimmverhalten
der Mehrheitsfraktionen keine Zeile wert.
Diese Fraktionen dürfen städtische
Verwaltungsmitarbeiter aufgrund eines Ratsbeschlusses auch als Hilfskräfte bei
ihren politischen Versammlungen einsetzen, teilte die Verwaltung auf eine
Anfrage der Fraktion pro Köln hin mit. Die Kosten trägt der Steuerzahler. Und
gegen öffentlichen Geschlechtsverkehr in einem sogenannten „Cruising Area“ beim
CSD bestehen bei der Stadt Köln keine Bedenken, lautete die Antwort auf eine
zweite pro-Köln-Anfrage. Pro Köln war übrigens die einzige Fraktion, die bei der
Ratssitzung überhaupt Anfragen gestellt hatte. Alle anderen Fraktionen scheinen
keine Fragen an die Verwaltung zu haben.
Das Museum der jüdischen Geschichte und
Kultur wird voraussichtlich nicht, wie von pro Köln gefordert, auf dem früheren
Gelände des Kaufhauses Kutz errichtet werden, sondern auf dem Rathausvorplatz.
Immerhin übte pro Köln auf die CDU-Fraktion genug politischen Druck aus, um zu
erreichen, daß sie auch in dieser wichtigen kommunalpolitischen Sachfrage umfiel
und sich gegen die Bebauung des Rathaus-Vorplatzes aussprach.
Pro Köln ist offenbar der Albtraum der
CDU-Fraktion: Die Kommunalwahl rückt näher, und die Union läuft den von der
Bürgerbewegung vorgegebenen Themen hinterher. Unübersehbar regiert pro Köln
längst ein Stück weit mit in der Domstadt. Jetzt müßten sich im Rat nur noch die
Mehrheitsverhältnisse ändern – schon wäre eine ganz andere Politik möglich.
Neun Monate noch, und der Wähler hat es in
der Hand, für diese neue Politik grünes Licht zu geben!