Poll: Protest gegen Massenunterkunft formiert sich
Aus den Veedeln, Köln aktuell / Montag, 13.Juni.2016

Poll: Protest gegen Massenunterkunft formiert sich

In Poll soll an der Rolshover Str. / Zum Milchmädchen eine weitere Asylbewerberunterkunft entstehen. Diesmal sogar für 400 Personen, und das ausgerechnet noch auf einer der letzten Flächen mit Freizeit- und Erholungswert in dem ohnehin schon belasteten, innenstadtnahen Veedel. So wundert es kaum, dass die Anwohner bereits kurz nach der Enthüllung der Pläne durch PRO KÖLN Sturm laufen. Die Pächterin einer Pferdewiese auf dem betroffenen Areal schilderte jetzt in einem offenen Brief an zahlreiche Verantwortungsträger der Stadt Köln äußerst nachvollziehbar ihre Einwände gegen die Pläne:

“Sehr geehrte Damen und Herren, Stadtregierung, Naturschutzfreunde und Interessenverbündete.

(…) Mit extrem viel Idealismus, Herzblut, Engagement, Arbeit, Zeit und vieles mehr wurde das Grundstück Rolshoverstraße/Milchmädchensiedlung zu dem, was es heute ist. Ein landschaftsgeschützes Naherholungsgebiet mit wertvollem sozialen Engagement im Veedel und darüber hinaus sowie mit wertvoller Arbeit im Tierschutz. Aber der Reihe nach und offiziell …

Gegen die Erschließung (als Asylbewerberheim, Anm. d. R.) spreche ich mich unbedingt und klar und deutlich aus!!!

Dahinter steht das ganze Weidenteam inkl. der Anwohner sowie die Bewohner von Poll; (…)

Alter Baumbestand und seltene Tier- und Pflanzenarten sind dringend erhaltenswert, bevor sie unwiderruflich verloren sind. Sie bilden die Lunge unseres Viertels, dass von Autobahnen eingeschlossenen und durch Rheinnähe mit regem Schiffsverkehr und hoher Feinstaub-Belastung durch Schiffs-Diesel stark belastet ist. Freiflächen wie die Pferdewiese, wie die Fläche hier mehrfach genannt, sind wichtige ökonomische und ökologische Gebiete; sie tragen nicht nur zur Verminderung der Feinstaubbelastung bei, sondern stärken die Menschen physisch, psychisch und emotional im hektischen Alltag unserer schnellen Zeit. Es ist unser Lebensraum!!!! (….)

Soziales Engagement ist selbstverständlich. Seit Betreiben der Weide lade ich regelmäßig (Förder)Schulklassen ein, einen Tag “in der Natur und mit Pferden” zu erleben. Die teils körper-, teils geistig behinderten oder gar multipel behinderte Kinder sind ein paar Stunden sichtbar glücklich und leben richtig auf. Schwererziehbare Jugendliche werden dankbare Pferdeknechte oder junge Landwirte; Aggressionen wandeln sich in Ausgeglichenheit. Die Pferde-Therapie wirkt immer.

Ebenso besuchen uns regionale Kindergärten oder Familien, Einzelpersonen oder Gruppen fragen für einen Besuch an. Oder es gibt ein Sommerfest fürs Veedel. Dies alles wird mit rein privaten Mitteln und Einsatz gestemmt - öffentliche Gelder oder Unterstützung gibt es keine.

Die Grünfläche ist seit dem vorletztem Jahrhundert als Freifläche mit extensiver Nutzung durch Beweidung zunächst mit Schafen, später durch Pferde als schützenswertes Öko-System entstanden. Seltene Tiere haben hier ihren Lebens- und Schutzraum: Fledermäuse, Spitzmäuse, Füchse und viele Vogelarten, u.a. der Domfalke. Seltene Pflanzen sind durch eine Kartierung zu belegen. Das alles wird riskiert zu verlieren! Hier ist die Unterstützung und Hilfe des NABU, der Grünen und allen Naturschützern eingefordert!

Freie bzw. unversiegelte Flächen findet man in Köln nur noch äußerst selten. Und die paar Grünstücke, die es noch gibt, sind unbedingt zu erhalten und um so schützenswerter. Vor allem vor wirtschaftlichen Interessen!!

Die Erschließung des Geländes der aktuell als Pferdewiese genutzten Freifläche unter dem „Deckmantel“ der Flüchtlingsunterbringung lässt die Vorbereitungen für eine spätere Bebauung vermuten. Dieses Vorhaben wurde ja bereits Anfang des 21. Jahrhunderts vorangetrieben und musste letztlich an diversen Faktoren scheitern. Ein entscheidender Faktor war seinerzeit der Status Landschaftsschutz. Das hat sich aber bisher nicht geändert, so weit ich weiß. Oder wurde dafür schon eine Grünfläche im Autobahndreieck als Ersatzfläche gefunden? Dort müssen Städter ja inzwischen ihre Liegestühle aufschlagen, weil nichts anderes mehr bleibt.

Des weiteren hat Poll als Stadtteil seit Jahrzehnten überproportional viele Flüchtlinge aufgenommen. Dies galt für Flüchtlinge aus dem Balkan, aus Ost-Europa und aktuell aus Syrien, Irak und Afghanistan (…)

Die Unterbringung von Flüchtlingen auf einem Landschaftsschutzgebiet bei gleichzeitigem Leerstand eines riesigen, gut erschlossenen Gelände eines ehemaligen Baumarktes mit großer, versiegelter Parkplatzfläche und Bus-Anschluss - Luftlinie 200 m entfernt -, grenzt an Ignoranz und Willkür im großen Stil! (…)”

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